Intensivstation und die ersten Tage nach Akustikusneurinom-OP (+Video)

Was passierte nun nach der Akustikusneurinom-OP? Alles okay bei mir?
Nun, da man unter Drogen steht, bekommt man selbst nicht viel mit, bzw nur Bruchstücke. Ich hatte später aber nette Gesprächen mit Zeitzeugen dieser Phase und war schon etwas überrascht.

Den ersten Schock hatte meine Frau, die mich auf der Intensiv besuchen wollte. Sie hatte sich vorher informiert, wann die OP nun zu Ende sei und gegen spät Abends ist sie ins Krankenhaus gefahren, um mir beim Aufwachen zu helfen (14 Stunden gepennt). Sie bekam eine Hinweis, „ja, ihr Mann liegt im letzten Zimmer links“. Sie geht hin, geht wieder raus und spricht mit dem Personal, dass ich nicht da sei. Da liegt zwar jemand, der auch einen Bart hat, aber das ist nicht ihr Mann. Natürlich war ich es, aber sie hatte mich nicht erkannt. Ich war kreidebleich, mein Gesicht war aufgequollen von den Medikamenten und mein Kopf war mit einem fetten Turban versehen. Dazu noch der Beatmungsschlauch, der das eigene Gesicht nicht verschönert. Meine Frau wurde in die Ecke gesetzt und ihre Beine hoch gehalten. 🙂

Irgendwann bin ich auch aufgewacht und da ich gefesselt war und noch beatmet wurde, fühlte ich mich echt hilflos. Kommunikationsversuche mit Kneifen oder Gesten mit der Hand bei meiner Frau wurden leider missverstanden. Zum Brüllen (im Nachhinein).

Irgendwann kam der Schlauch aus dem Hals, doch essen oder trinken durfte ich noch nicht. Ich entwickelte mich zum totalen Kotzbrocken. Ein großes „Entschuldigung“ an meine Umwelt.

In der Nacht konnte ich nicht schlafen und wurde von Alpträumen geplagt. Am nächsten Tag war ich sehr schwach und supe- müde. Meine Stimmung war unterirdisch. OMG….. muss das schlimm für die Schwestern gewesen sein.

Irgendwann ging es auf Station, wo ich dann nach und nach versucht habe Schlaf zu bekommen. Die ersten Tage verliefen wie im Flug, obwohl ich nur die Wand angestarrt habe. Mein Schwindel war grausam, so dass ich weder etwas lesen konnte, noch Fernsehen wollte. Das wollte ich im Grunde auch nicht, weil man beginnt sehr stark über sich nach zu denken (was meiner Meinung nach der richtige Moment ist und auch zulassen sollte). Wer ist man, was will man, seine Ziele, was ist einem wichtig? Alles andere ist eine Ablenkung.

Das Aufstehen war eine Qual. Da der Gleichgewichtssin weg war, drehte sich alles und ständig. Noch viel Schlimmer war aber, dass der Körper geschwächt war und wieder anlaufen musste. Der Körper musste sich bewegen, um wieder in die Gänge zu kommen. Der Kreislauf muss wieder in Fahrt kommen. Also machte ich einen Deal mit mir. Wenn du etwas haben willst, steh auf und hole es dir. Nicht darüber nachdenken! Das war wichtig. Da der Körper aus 44 Jahren Erfahrungen weiß, wie Bewegungsabläufe funktionieren, konnte ich mich auf normale und bekannte Bewegungsabläufe auch verlassen. Ungewöhnliche Situationen vermeiden ist aber wichtig. Aufs Klo gehen = Aufstehen und machen. Zum Fenster gehen = aufstehen und rausschauen (was keine gute Idee ist, weil entfernte Ziele sind schlechter zu fokussieren und der Schwindel ist größer). Willst du Wasser? = Aufstehen, raus auf den Gang und Wasser holen. Mechanisch erlernte ich wieder das Gehen und Bewegen, aber auch den Körper wieder zum Laufen zu bringen.

Mein persönlicher Operationsverlauf war im Grunde genau so wie beschrieben, jedoch mit zwei Abweichungen. Das Akustikusneurinom war kein Akustikusneurinom. Nun, jedenfalls sah es nicht aus wie eins. Die Operationsmanschaft ist also nach stundenlangem Rumgraben in meinem Kopf zur richtigen Stelle vorgedrungen, doch als der Tumor freigelegt wurde sagten alle, dass dieses kleine Teil nicht wie ein Akustikusneurinom aussieht. Also Tests durchführen (bösartig? = Nein), dann raus geschnitten und den Patienten wieder zu machen. Was es ist, kann das Labor raus finden.

Der zweite Punkt ist, dass mein Gehör nach der Operation auf der Operationsseite okay war (ich habe Rascheln wahrgenommen, wenn ich meinen Turban angefasst habe), dies sich aber irgendwann verflüchtigt hat. Ich konnte auf dem rechten Ohr nichts mehr hören.

Wie es weiter geht, könnt ihr im nächsten Artikel lesen.

 

Smirc

 

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