Ich mag keine deutschen Lieder

Als kleiner Junge hatte ich einen alten Weltempfänger. Ein altes Radio, mit dem ich alle möglichen Radiosender empfangen konnte. Er war aus Holz, dicke große Drehknöpfe zum einstellen der Lautstärke und zum ändern der Frequenz. Auch hatte er große Knöpfe die laut einrasteten, wenn man die Frequenzbänder wechselten.

Ich war wohl 6 oder 7 Jahre alt und machte mich mit dem Kasten auf die Suche nach ungewöhnlichen Radiosignalen und auch Radiosendern. Es gab viel Geräusche, Sender in fremden Sprachen und kosmische Düdeledüs. Hängengeblieben bin ich dann bei einen Radiosendung über B-Seiten. Gemeint waren Singles, also kleine mini-Schallplatten mit nur zwei Musiktiteln. Die B-Seite, war die „Rückseite“ der Single. Auf er Vorderseite der „Singles“ war der Haupttitel, der Grund für die Schallplatte und oft auch die Auskopplung aus der eigentlichen Schallplatte. Auf der Rückseite war der etwas weniger „gute“ Titel.

Der Moderator machte ständig Witze über sich selbst und spielte hauptsächlich Interpreten, die ich vorher noch nie gehört hatte. Ich kannte nur Hitparade und Disco. Die Musik, die da aus dem Radio kam, war magisch, anders und ich verstand die Sprache nicht. Toll. Seit dem mochte ich keine deutschen Lieder mehr.

Ein Aufflammen war später noch einmal die Neue Deutsche Welle mit Hurra hurra, die Schule brennt (Must-Have-Song für jeden Schüler) und Flieger, grüß mir die Sonne. Schlager waren (sind) ein Graus und sobald deutsch gesungen wurde, musste ich das Radio ausmachen. Ich war nie ein Fan von nur einer Band. Ich mochte viele Bands und auch viele Musikrichtungen. Aber deutsche Musik? Bitte nein.

Vor ein paar Jahren hörte ich auf dem Heimweg FluxFM, ein Radiosender der kurz auch in Bremen ansässig war. Es wurde nicht viel gelabert, keine/kaum Werbung, es gab Indi und andere abgefahrene Musik. Toll. Da wurde dann ein deutscher Song gespielt und ich hab aus irgendeinen Grund nicht abgeschaltet. Bei einer Zeile musste ich laut lachen und er blieb somit bei mir hängen: „Denn jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt.“. Super. Eine tolle Zeile, die zu meinem Credo wurde. Wer war der Sänger? Wer war die Band? Ich wusste es damals nicht und ich hatte es auch nie recherchiert.

Dann lernte ich Martina kennen. Ich stand in einem Krater, in das kein Tageslicht mehr fiel. Sie spielte mir diesen (meinen) Song vor und ich wurde dadurch ein Stückchen geheilt. Der volle Text spiegelt so viel aus meinem Leben wieder und bejaht das Leben in vollen Zügen. Er gab mir Mut und Hoffnung. Meine persönliche Nationalhymne. Ich brauche nur den Song einwerfen und es geht mir wieder gut. Gar nicht so schlecht.

Gestern war ich in Husum, auf dem Husum Harbour Festival. Eine total familiäre Veranstaltung. Klein. Echt klein. Aber sooooooooooooooo toll. Als dann spielte Gisbert zu Knyphausen den Song und ich musste aufpassen, das ich nicht den Boden glitschig weinte.

Danke

Danke FluxFM für eure Musik

Danke Husum Harbour für diese tolle Veranstaltung, Musiker und Leute. Weiter so!

Danke Gisbert und Nils Koppruch (also Kid Kopphausen) für diesen heilenden Song

Danke Martina, das du bei mir bist

Ich glaube deutsche Musik ist doch nicht so schlecht…

 

Smirc

 

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